KI-Blase 2026: Jetzt warnt auch die EZB – war meine Sorge im Juni berechtigt?

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Vor gut zwei Monaten habe ich hier bereits darüber geschrieben, warum mir der KI-Boom an der Börse zunehmend Sorgen macht. In meinem Artikel „Der KI-Hype an der Börse: Warum die Riesengewinne der Tech-Konzerne eine Täuschung sein könnten“ ging es vor allem um die gewaltigen Investitionen, die hohen Bewertungen und die Frage, ob die Gewinne innerhalb der KI-Branche teilweise besser aussehen, als sie tatsächlich sind.

Damals war das vor allem meine persönliche Einschätzung. Jetzt finde ich interessant, dass sich ausgerechnet die Europäische Zentralbank sehr ausführlich mit einer ähnlichen Frage beschäftigt. In einer Analyse vom 17. August 2026 untersucht die EZB, ob der derzeitige KI-Boom noch rationale Begeisterung ist oder bereits Parallelen zur Dotcom-Blase zeigt.

Für mich ist das ein guter Zeitpunkt, meine Gedanken vom Juni noch einmal hervorzuholen. Nicht, weil damit bewiesen wäre, dass unmittelbar ein Crash bevorsteht. Das sagt auch die EZB nicht. Aber einige Entwicklungen der vergangenen zwei Monate haben meine damaligen Zweifel jedenfalls nicht kleiner gemacht.

Die Summen werden immer größer

Einer der Punkte, die mich schon im Juni beschäftigt haben, waren die enormen Investitionen in Rechenzentren, Chips und andere KI-Infrastruktur. Inzwischen werden die Dimensionen noch deutlicher. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft dürften 2026 zusammen rund 650 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investieren. 2025 waren es noch etwa 410 Milliarden Dollar.

Das sind Größenordnungen, bei denen ich mich zwangsläufig frage, wie schnell diese Investitionen entsprechende Erträge liefern müssen.

Gleichzeitig reicht der Blick auf die reinen Investitionssummen mittlerweile fast nicht mehr aus. Microsoft, Meta, Oracle, Amazon und Alphabet haben sich zusätzlich zu zukünftigen Leasingzahlungen von mehr als einer Billion Dollar verpflichtet, ein großer Teil davon für Rechenzentren. Diese Verpflichtungen werden teilweise erst später in den Bilanzen sichtbar.

Für mich wird genau hier die Sache interessant. Solange die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter so schnell wächst, können diese Investitionen vollkommen sinnvoll sein. Sollte sich das Wachstum irgendwann deutlich abschwächen, bleiben die Rechenzentren und langfristigen Verpflichtungen trotzdem bestehen.

Trotzdem sehe ich einen Unterschied zur Dotcom-Blase

An einem Punkt würde ich meine Einschätzung aus dem Juni heute etwas differenzierter formulieren.

Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta sind keine kleinen Dotcom-Unternehmen, die hauptsächlich aus einer guten Geschichte und großen Zukunftsversprechen bestehen. Es sind hochprofitable Konzerne mit etablierten Geschäftsmodellen und enormen Umsätzen. Und inzwischen gibt es durchaus Anzeichen dafür, dass KI und die dazugehörige Cloud-Infrastruktur reale zusätzliche Nachfrage erzeugen.

Microsoft meldete zuletzt beispielsweise ein starkes Wachstum seines Azure-Geschäfts. Auch Amazon konnte mit AWS überzeugen. Die Frage ist deshalb für mich nicht mehr, ob mit KI überhaupt Geld verdient werden kann. Das wird längst getan.

Die schwierigere Frage lautet: Wird langfristig genug damit verdient, um die inzwischen gewaltigen Investitionen und Bewertungen zu rechtfertigen?

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Vielleicht lag der Vergleich mit der Dotcom-Zeit trotzdem gar nicht so falsch

Gerade deshalb finde ich den Vergleich mit der Dotcom-Blase weiterhin passend. Das Internet selbst war schließlich keine Blase. Die Technologie hat unsere Wirtschaft und unseren Alltag sogar stärker verändert, als sich viele Menschen Ende der 1990er-Jahre vorstellen konnten.

Die Übertreibung lag an anderer Stelle.

Anleger waren teilweise bereit, nahezu jeden Preis für Unternehmen zu bezahlen, von denen sie glaubten, dass sie zu den Gewinnern der neuen Internetwirtschaft gehören würden. Als die Erwartungen nicht schnell genug erfüllt wurden, brachen die Bewertungen zusammen. Das Internet verschwand deshalb natürlich nicht.

Bei KI könnte etwas Ähnliches passieren.

Ich zweifle heute noch weniger als vor einigen Monaten daran, dass künstliche Intelligenz bleiben und viele Bereiche unserer Wirtschaft verändern wird. Ich nutze die Technologie selbst praktisch täglich und sehe dabei, wie schnell sich meine eigene Arbeitsweise verändert hat. Gerade bei meiner Website, bei Recherchen und beim Programmieren kann ich heute Dinge selbst erledigen, für die ich früher wesentlich mehr Zeit oder externe Hilfe benötigt hätte.

Für mich ist KI deshalb keine Technologie, die nur von einer guten Zukunftsgeschichte lebt.

Aber eine revolutionäre Technologie und eine zeitweise übertriebene Börsenbewertung schließen sich nicht gegenseitig aus.

Was mich an der aktuellen EZB-Analyse besonders interessiert

Die EZB behauptet nicht, den Zeitpunkt eines möglichen Einbruchs vorhersagen zu können. Genau das halte ich für wichtig. Niemand weiß, ob die Bewertungen noch Monate oder Jahre weiter steigen können.

Interessant ist vielmehr die grundsätzliche Argumentation: Selbst wenn die optimistischen Erwartungen an die wirtschaftlichen Auswirkungen von KI langfristig richtig sind, bedeutet das nicht automatisch, dass die heutigen Bewertungen dauerhaft gerechtfertigt sind. Bei früheren technologischen Revolutionen folgte auf die erste Euphorie häufig eine Phase, in der Erwartungen und Bewertungen wieder auf ein realistischeres Niveau zurückkamen.

Das entspricht ziemlich genau dem Punkt, der mich schon bei meinem Artikel im Juni beschäftigt hat.

Damals schrieb ich, dass eine Bereinigung kommen werde und spürbar sein könnte. An dieser grundsätzlichen Einschätzung hat sich bei mir wenig geändert. Beim Zeitpunkt wäre ich allerdings sehr vorsichtig. Ein Markt kann wesentlich länger euphorisch bleiben, als man erwartet.

Und inzwischen gibt es eben auch Argumente für die andere Seite. Die großen Tech-Konzerne liefern weiterhin starke Ergebnisse, die Cloud-Nachfrage wächst und teilweise fehlt sogar noch Rechenkapazität. Wer allein aufgrund hoher Investitionen schon vor Monaten auf einen Zusammenbruch gesetzt hätte, wäre bislang ziemlich schlecht gefahren.

Meine Einschätzung zwei Monate später

Ich würde deshalb heute nicht schreiben, dass sich meine Warnung vom Juni bereits bestätigt hat. Dafür ist es viel zu früh. Was sich für mich bestätigt hat, ist eher die Frage dahinter.

Wie viel Geld muss mit KI verdient werden, damit Investitionen in dieser Größenordnung am Ende tatsächlich rentabel sind? Wie lange kann das derzeitige Wachstum anhalten? Und was passiert mit den Bewertungen, wenn irgendwann erstmals nicht mehr jede neue Milliarde an KI-Ausgaben automatisch als gute Nachricht betrachtet wird? Genau darauf werde ich in den kommenden Monaten achten.

Meine grundsätzliche Haltung hat sich dabei nicht verändert: Ich halte künstliche Intelligenz für eine der wichtigsten technologischen Entwicklungen seit dem Internet. Vielleicht sogar für eine noch größere. Aber gerade weil ich davon überzeugt bin, muss ich nicht gleichzeitig davon überzeugt sein, dass jede heutige Bewertung vernünftig ist.

Vielleicht werden wir irgendwann auf 2026 zurückblicken und feststellen, dass die heutigen Investitionen erst der Anfang einer noch viel größeren Entwicklung waren. Vielleicht liegt vorher aber eine kräftige Bereinigung. Beides kann gleichzeitig wahr sein: KI kann die Wirtschaft nachhaltig verändern – und die Börse kann trotzdem zeitweise zu viel Zukunft vorwegnehmen. Genau das hat die Dotcom-Zeit bereits einmal gezeigt.

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