Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte eine der spannendsten Wahlen der vergangenen Jahre werden. Nicht nur wegen der Frage, wie stark die AfD tatsächlich wird. Für mich ist fast noch interessanter, was danach mit der CDU passiert.
Die AfD liegt in den Umfragen klar vorne. Gleichzeitig hält die CDU an ihrer Abgrenzung zur AfD fest. Das Problem: Je nach Wahlergebnis könnten Mehrheiten ohne die AfD nur noch möglich sein, wenn die CDU ausgerechnet mit der Linken zusammenarbeitet oder sich zumindest von ihr tolerieren lässt. Die Linke signalisiert bereits Gesprächsbereitschaft und hat Bedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit genannt.
Und genau da wird die Sache für mich spannend.
Die CDU hat nicht nur einen Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der AfD. Auch eine Zusammenarbeit mit der Linken ist nach ihrem eigenen Beschluss ausgeschlossen. Trotzdem gibt es beispielsweise in Sachsen und Thüringen bereits Formen einer faktischen parlamentarischen Zusammenarbeit zwischen CDU und Linken.
Was macht die CDU also, wenn die Wähler in Sachsen-Anhalt ein Ergebnis produzieren, bei dem die bisherigen politischen Spielregeln keine komfortable Regierungsmehrheit mehr zulassen? Koaliert oder kooperiert sie mit der Linken, nur um eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern? Dann dürfte es innerhalb der CDU gewaltig krachen.
Gerade im Osten könnte es für viele CDU-Wähler schwer vermittelbar sein, warum eine Zusammenarbeit mit einer Partei links von der SPD akzeptabel sein soll, während jede Form der Zusammenarbeit mit der möglicherweise stärksten Partei des Landes ausgeschlossen bleibt.
Umgekehrt ist die andere Seite der Debatte ebenfalls ernst zu nehmen: Prominente CDU-Politiker warnen gerade eindringlich davor, die Abgrenzung zur AfD aufzugeben. Der frühere Unionsfraktionschef Volker Kauder erklärte wenige Tage vor der Wahl, eine Zusammenarbeit mit der AfD könne für die CDU existenzgefährdend werden.
Damit steckt die CDU in einer selbst geschaffenen Zwickmühle.
Sie kann ihre Brandmauer zur AfD aufrechterhalten – riskiert dann aber möglicherweise eine Zusammenarbeit mit politischen Kräften, gegen die sie jahrelang selbst Wahlkampf geführt hat. Oder sie verändert ihren Umgang mit der AfD – und riskiert damit einen offenen Konflikt innerhalb der eigenen Partei. Friedrich Merz hatte vor der Bundestagswahl 2025 noch verkündet: „Links ist vorbei.“ Sachsen-Anhalt könnte nun ausgerechnet zum Test dafür werden, was dieser Satz wert ist, wenn die parlamentarische Mathematik keine angenehmen Alternativen mehr übrig lässt.
Für mich ist deshalb der 7. September fast spannender als der 6. September. Am Wahltag entscheiden die Bürger. Am Tag danach muss die CDU entscheiden, was ihre eigenen roten Linien tatsächlich wert sind. Und möglicherweise erfahren wir dann auch, ob die Brandmauer am Ende die AfD begrenzt – oder vor allem die CDU selbst.

