Wenn der Beruf zur bloßen Arbeitsstunde wird

Wenn der Beruf zur bloßen Arbeitsstunde wird

Wenn ich die heutige Arbeit in der Hotellerie und Gastronomie mit der Zeit vor 2020 vergleiche, fällt mein persönliches Urteil ernüchternd aus. In meinem Erfahrungsbereich hat die Qualität deutlich nachgelassen. Gleichzeitig vermisse ich häufiger etwas, das für mich lange selbstverständlich zu einem Beruf gehörte: Fachkenntnis, Verantwortungsgefühl und eine gewisse Verbundenheit mit dem Betrieb.

Ich kann das aus meinen eigenen Erfahrungen in dieser Branche beurteilen. Daraus entsteht keine Statistik über die gesamte Arbeitswelt. Aber es ist eine Beobachtung, die mich beschäftigt, weil hinter einem guten Hotelaufenthalt oder einem gelungenen Restaurantbesuch eben mehr steckt als eine besetzte Stelle.

Was ich früher als selbstverständlich erlebt habe

Die Zeit vor 2020 habe ich anders in Erinnerung. In den Betrieben, die ich erlebt habe, waren überwiegend gelernte Fachkräfte tätig. Dazu kamen viele Auszubildende, die ihren Beruf ernst nahmen. Mein Eindruck war, dass Können einen hohen Stellenwert hatte und die Arbeit mit einem beruflichen Selbstverständnis verbunden war.

Auch die Loyalität zum Betrieb erschien mir selbstverständlicher. Man war Teil eines Hauses und fühlte sich dessen Leistung verpflichtet. Heute nehme ich diese Haltung deutlich seltener wahr. Das ist kein Urteil über jeden einzelnen Mitarbeiter, sondern der Unterschied, der mir beim Rückblick besonders auffällt.

Dabei geht es mir nicht darum, die Vergangenheit makellos darzustellen. Ich vermisse einen Anspruch an die eigene Arbeit, den ich früher stärker wahrgenommen habe.

Der Stundenlohn allein beschreibt noch keine Leistung

Heute entsteht bei mir häufig der Eindruck, dass sich vieles vor allem um den Stundenlohn dreht. Die Frage, welche Kenntnisse und welche Qualität jemand dafür mitbringt, scheint mir dagegen zu oft in den Hintergrund zu geraten.

Über Bezahlung zu sprechen, ist berechtigt. Wer arbeitet, soll ordentlich bezahlt werden. Trotzdem muss es möglich bleiben, ebenso offen über Können, Zuverlässigkeit und Verantwortung zu sprechen. Ein angemessener Lohn und ein angemessener Anspruch an die geleistete Arbeit gehören für mich zusammen.

Gerade deshalb halte ich es für problematisch, wenn Fachkenntnisse bei der Beurteilung von Mitarbeitern kaum noch einen Unterschied machen. Wer seinen Beruf gelernt hat und ihn sorgfältig ausübt, sollte dafür Anerkennung bekommen. Ausbildung darf nicht zur Nebensache werden.

Herkunft ersetzt keine Beurteilung der Arbeit

Bei diesem Thema kommt auch die Beschäftigung zugewanderter Menschen zur Sprache. Hier muss die Kritik genau bleiben: Aus der Herkunft eines Mitarbeiters lässt sich seine Arbeitsqualität nicht ableiten. Entscheidend ist, welche Kenntnisse jemand mitbringt, wie gut die Verständigung bei der Arbeit funktioniert und ob die vereinbarten Aufgaben zuverlässig erfüllt werden.

Wer in einem Hotel oder Restaurant arbeitet, sollte an nachvollziehbaren Anforderungen gemessen werden. Diese Anforderungen müssen für Einheimische und Zugewanderte gleichermaßen gelten. Fehlende Qualifikation wird nicht dadurch unwichtig, dass eine Stelle dringend besetzt werden muss. Umgekehrt wäre es unfair, einem qualifizierten Mitarbeiter wegen seiner Herkunft die berufliche Eignung abzusprechen.

Meine Beobachtung eines Qualitätsverlusts beantwortet deshalb noch nicht die Frage nach dessen Ursachen. Dafür müsste genauer hingesehen werden: bei Ausbildung, Personalauswahl, Einarbeitung und Führung ebenso wie bei der Haltung der einzelnen Mitarbeiter.

Wenn schon ein Hinweis auf einen Fehler zu viel ist

Ein weiterer Punkt ist für mich der Umgang mit berechtigter Kritik. Viele meiner früheren Hotelkollegen, die heute noch Betriebe führen, berichten mir von ähnlichen Schwierigkeiten: Bei manchen Mitarbeitern entsteht für sie der Eindruck, dass sie kaum noch einen Fehler ansprechen oder eine klare Arbeitsanweisung geben können, ohne auf Ablehnung zu stoßen. Sie erleben das als fehlende Anerkennung ihrer Verantwortung als Betriebsleiter.

Nach ihren Schilderungen wird ein sachlicher Hinweis mitunter bereits zum Anlass, das Handtuch zu werfen und den Betrieb zu verlassen. Wie verbreitet dieses Verhalten in der gesamten Branche ist, kann ich daraus nicht ableiten. Dass mir mehrere frühere Kollegen davon berichten, nehme ich aber ernst. Kritikresistenz erschwert aus meiner Sicht jede Zusammenarbeit – gerade dort, wo ein Team auf verlässliche Abläufe angewiesen ist.

Aus meiner damaligen Zeit kenne ich das in dieser Form nicht. Ich habe Auszubildende und Mitarbeiter überwiegend so erlebt, dass sie berechtigte Kritik annahmen und versuchten, die angesprochenen Fehler zu beheben oder künftig zu vermeiden. Die Bereitschaft, sich etwas sagen zu lassen und dazuzulernen, gehörte für mich zum beruflichen Selbstverständnis.

Natürlich kommt es darauf an, wie Kritik geäußert wird. Eine respektlose Zurechtweisung ist etwas anderes als ein sachlicher Hinweis auf einen Fehler. Ebenso muss ein Mitarbeiter eine Anweisung hinterfragen dürfen, wenn etwas unklar oder problematisch ist. Aber ein Betrieb braucht Führung, und zur beruflichen Verantwortung gehört auch, berechtigte Rückmeldungen anzunehmen und vereinbarte Aufgaben zuverlässig auszuführen. Das gilt unabhängig von Herkunft oder Position.

Loyalität braucht zwei Seiten

Wenn ich mangelnde Verbundenheit mit dem Betrieb kritisiere, gehört auch die Verantwortung der Arbeitgeber dazu. Loyalität lässt sich nicht einfach verlangen. Wer sie erwartet, muss selbst Verlässlichkeit zeigen, Mitarbeiter respektieren und gute Arbeit anerkennen.

Ein Arbeitsplatzwechsel oder der Wunsch nach besserer Bezahlung ist für sich genommen noch kein Beweis für fehlende Loyalität. Worauf es während eines Arbeitsverhältnisses ankommt, ist die Bereitschaft, die eigene Aufgabe ernst zu nehmen und Verantwortung für die vereinbarte Arbeit zu übernehmen.

Für mich gehört beides zusammen: ein Betrieb, der seine Mitarbeiter ordentlich behandelt, und Mitarbeiter, die ihren Beitrag zum Gelingen leisten. Sobald eine Seite nur noch auf den eigenen kurzfristigen Vorteil schaut, wird dieses Verhältnis schwierig.

Was mich an der Entwicklung in meinem Erfahrungsbereich stört, ist der aus meiner Sicht deutlich gesunkene Stellenwert von Fachlichkeit und beruflichem Verantwortungsgefühl. Ich möchte, dass Ausbildung, Können und sorgfältige Arbeit wieder stärker zählen. Dass über Leistung genauso selbstverständlich gesprochen werden kann wie über Bezahlung. Und dass Loyalität als gegenseitige Verpflichtung verstanden wird.

Daran würde ich gute Arbeit messen – unabhängig davon, wo jemand geboren wurde.

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