Ondo Finance: Warum ich das Projekt spannend finde – und was die BlackRock-Meldung für ONDO bedeutet

Ondo Finance: Warum ich das Projekt spannend finde

Wenn ich über die Zukunft der Finanzmärkte nachdenke, lande ich immer wieder bei derselben Frage: Was passiert, wenn Aktien, Anleihen und ganze Anlageportfolios nicht mehr nur in einem klassischen Depot liegen, sondern auch über eine Blockchain zugänglich werden? Ondo Finance gehört für mich zu den Projekten, die darauf eine konkrete Antwort geben wollen.

Am 24. September 2026 kam eine Nachricht hinzu, die besonders viel Aufmerksamkeit verdient: Ondo hat drei neue Onchain-Portfolios vorgestellt, deren Anlagestrategien BlackRock für Ondo entwickelt hat. In sozialen Medien wurde daraus stellenweise die Behauptung, BlackRock entwickle Produkte „für $ONDO“. Das klingt nach einer direkten Aufwertung des ONDO-Tokens. So einfach ist es allerdings nicht.

Was Ondo Finance eigentlich macht

Ondo versucht, klassische Finanzprodukte mit der Blockchain-Welt zu verbinden. Statt nur neue Kryptowährungen zu schaffen, bringt das Unternehmen wirtschaftliche Ansprüche auf bestehende Anlagen in eine übertragbare digitale Form. Zum Angebot gehören unter anderem Produkte mit Bezug zu US-Staatsanleihen sowie tokenisierte Aktien und ETFs.

Der Gedanke dahinter ist interessant: Ein Anleger könnte solche Positionen in einer Wallet halten und sie – soweit rechtlich und technisch zulässig – an andere übertragen oder in weiteren Anwendungen nutzen. Bei traditionellen Wertpapieren sind Depot, Handelsplatz und Abwicklung dagegen meist klar voneinander getrennt.

Das bedeutet nicht, dass ein Token automatisch dasselbe ist wie eine Aktie im eigenen Namen. Entscheidend bleiben die rechtlichen Ansprüche, die Verwahrung der zugrunde liegenden Werte und die Frage, was bei Problemen mit dem Herausgeber geschieht. Genau diese Unterscheidung habe ich auch in meinem Artikel „Tokenisierung: Wenn Besitz digital wird“ beschrieben.

Die aktuelle Nachricht: Drei Portfolios mit BlackRock-Strategien

Mit den neuen „Ondo Intelligent Portfolios“ geht Ondo einen Schritt weiter. Anleger müssen nicht mehrere tokenisierte Wertpapiere einzeln auswählen und gewichten. Stattdessen erhalten sie über einen Portfolio-Token Zugang zu einem Korb verschiedener Anlagen. Die Gewichtung soll nach festgelegten Regeln regelmäßig angepasst werden.

Zum Start hat Ondo drei Produkte vorgestellt:

  • BLKHIon: ein Portfolio mit Schwerpunkt auf laufenden Erträgen;
  • BLKDIGon: ein breit ausgerichtetes Wachstumsportfolio;
  • BLKGRWon: ein stärker auf Wachstum ausgerichtetes Portfolio.

Die zugrunde liegenden Strategien wurden laut Ondos Ankündigung von BlackRock für Ondo entwickelt. Das ist eine bemerkenswerte Verbindung zwischen einem großen traditionellen Vermögensverwalter und einer Onchain-Plattform.

Die Rollen sollte man trotzdem sauber trennen. Laut Ondos Produktangaben stellt BlackRock die Modellstrategien bereit. Die Portfolios selbst werden von Ondo umgesetzt, ausgegeben und verwaltet. BlackRock ist weder der Herausgeber der Portfolio-Token noch der Vermögensverwalter dieser Onchain-Produkte. In den rechtlichen Hinweisen steht außerdem, dass BlackRock die Strategien grundsätzlich nicht laufend aktualisieren muss.

Für mich macht das die Nachricht nicht unbedeutend. Es macht sie präziser.

Warum ich diese Entwicklung interessant finde

Tokenisierte Einzelaktien sind ein Anfang. Ein ganzes Portfolio in einem übertragbaren Token zeigt aber besser, wohin sich diese Technik entwickeln könnte. Auswahl, Gewichtung und regelmäßige Anpassung der Anlagen werden Teil eines digitalen Produkts, dessen Zusammensetzung und Änderungen auf der Blockchain nachvollziehbar sein sollen.

Hinzu kommt die Möglichkeit, solche Portfolio-Token in andere Blockchain-Anwendungen einzubinden. Ob daraus tatsächlich ein großer Vorteil für Anleger entsteht, wird sich erst in der Praxis zeigen: bei Kosten, Liquidität, Zuverlässigkeit und einer einfachen Bedienung. Eine technische Möglichkeit allein ist noch kein überzeugendes Anlageprodukt.

Die neuen Portfolios richten sich zudem nicht an alle Anleger weltweit. Ondo nennt berechtigte Personen außerhalb der USA in zugelassenen Ländern als Zielgruppe. Wer Token direkt über die Plattform ausgeben oder zurückgeben möchte, muss die jeweiligen Prüfungen und Zugangsvoraussetzungen erfüllen. „Auf der Blockchain“ bedeutet also keineswegs „ohne Regeln“.

Die entscheidende Frage: Profitiert auch der ONDO-Token?

Hier liegt für mich der wichtigste Unterschied zu vielen euphorischen Beiträgen auf X: Ein neues Ondo-Produkt ist nicht automatisch ein neuer Nutzen für den ONDO-Token.

BLKHIon, BLKDIGon und BLKGRWon sind eigene Portfolio-Token. Wer einen solchen Token hält, erhält eine wirtschaftliche Beteiligung an der Entwicklung des jeweiligen Anlagekorbs – nicht einfach zusätzliche ONDO. Umgekehrt macht der Besitz von ONDO niemanden zum Eigentümer dieser Portfolios oder zum Aktionär von BlackRock.

ONDO ist nach Angaben der Ondo Foundation vor allem ein Governance-Token für die Ondo DAO und deren Zuständigkeiten, darunter das DeFi-Protokoll Flux Finance. Aus der heutigen Ankündigung lässt sich kein automatischer Anspruch der ONDO-Inhaber auf Gebühren oder Erträge der neuen Portfolios ableiten.

Das ist keine Aussage gegen den Token. Mehr erfolgreiche Produkte könnten Ondo bekannter machen, Nutzer anziehen und das gesamte Ökosystem stärken. Ob und wie sich dieser Erfolg langfristig im Wert von ONDO niederschlägt, ist aber eine andere Frage. Gerade im Kryptomarkt werden Projektfortschritt und Token-Kurs oft zu schnell gleichgesetzt.

Was noch schiefgehen kann

Auch ein Produkt mit einer BlackRock-Strategie trägt Risiken. Die zugrunde liegenden Anlagen können an Wert verlieren. Hinzu kommen technische Risiken bei Smart Contracts und Wallets, mögliche Probleme bei Verwahrung und Abwicklung sowie rechtliche Einschränkungen in einzelnen Ländern.

Besonders wichtig finde ich die Frage, was der Käufer tatsächlich besitzt. Laut den Produktbedingungen bieten die Portfolio-Token eine wirtschaftliche Beteiligung an der Wertentwicklung. Sie sind aber nicht identisch mit den zugrunde liegenden Fonds oder Wertpapieren und verleihen keinen unmittelbaren Eigentumsanspruch an ihnen. Wer investiert, sollte deshalb nicht nur auf den bekannten Namen in der Produktbezeichnung schauen, sondern die Bedingungen des konkreten Tokens lesen.

Auch bei ONDO selbst bleiben Fragen offen: Welche Aufgaben erhält der Governance-Token künftig tatsächlich? Entsteht ein nachvollziehbarer wirtschaftlicher Nutzen für Tokeninhaber? Und wie wirkt sich das verfügbare Token-Angebot auf den Kurs aus? Die heutige Nachricht beantwortet diese Fragen nicht.

Mein Fazit

Ondo Finance finde ich interessant, weil das Projekt nicht nur über Tokenisierung spricht, sondern Produkte dafür aufbaut. Die neuen Portfolios sind ein weiteres konkretes Beispiel dafür, wie traditionelle Anlagestrategien auf einer Blockchain angeboten werden können. Dass BlackRock die ersten drei Modellstrategien für Ondo entwickelt hat, verleiht diesem Schritt zusätzlich Gewicht.

Trotzdem würde ich zwei Dinge nicht verwechseln: Ondo als Unternehmen und Produktplattform kann Fortschritte machen, ohne dass der ONDO-Token im gleichen Maß profitiert. Und „Powered by BlackRock“ bedeutet nicht, dass BlackRock die Onchain-Portfolios herausgibt oder für deren Risiken einsteht.

Ich werde deshalb weniger auf die nächste euphorische Kursprognose schauen als auf die tatsächliche Nutzung der Produkte – und darauf, ob Ondo überzeugend erklären kann, welche Rolle der ONDO-Token in diesem wachsenden Angebot langfristig spielt.

Stand: 24. September 2026. Dieser Artikel beschreibt meine persönliche Einschätzung und ist keine Anlageberatung

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