Wer sich einige Jahre mit Börse, Bitcoin und Finanzmärkten beschäftigt, wird zwangsläufig mit einer nahezu unüberschaubaren Zahl angeblicher Experten konfrontiert. Auf YouTube, X, Telegram und anderen Plattformen wird jeden Tag der nächste Börsencrash angekündigt, während andere gleichzeitig erklären, weshalb Bitcoin, eine bestimmte Aktie oder irgendein Altcoin unmittelbar vor einer Kursexplosion stehen soll. Die Überschriften werden immer spektakulärer, die Thumbnails immer dramatischer und die Kursziele immer extremer. Irgendwann habe ich angefangen, mich zu fragen, wie viele dieser selbsternannten Börsenexperten tatsächlich vom Trading und Investieren leben – und wie viele in Wirklichkeit hauptsächlich davon leben, dass andere Menschen ihre Videos anklicken.
Denn Aufmerksamkeit ist im Internet längst ein eigenes Geschäftsmodell. Angst vor dem nächsten Crash bringt Klicks, genauso wie das Versprechen vom nächsten Tenbagger. Mit genügend Reichweite lässt sich anschließend über Werbung, Affiliate-Links, Broker-Empfehlungen, Kurse, Newsletter oder Premium-Mitgliedschaften gutes Geld verdienen. Daran ist grundsätzlich nichts Verwerfliches. Gute Analyse kostet Zeit und darf selbstverständlich auch Geld kosten. Problematisch wird es für mich dort, wo die Analyse nur noch Mittel zum Zweck wird und möglichst spektakuläre Prognosen produziert werden, weil diese mehr Aufmerksamkeit und Provisionen erzeugen als eine nüchterne Betrachtung von Wahrscheinlichkeiten und Risiken.
Nach vielen Jahren an den Finanz- und Kryptomärkten ist die Zahl der Menschen, deren Analysen ich wirklich regelmäßig verfolge, deshalb erstaunlich klein geworden. Zwei davon sind Doctor Profit und Alessio Rastani. Sie könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Doctor Profit kommt stark aus der Krypto- und Makrowelt und verbindet technische Analyse mit Liquidität, Marktpsychologie und größeren wirtschaftlichen Zusammenhängen. Alessio Rastani kommt stärker aus der klassischen technischen Analyse und beschäftigt sich intensiv mit Elliott Waves, Marktstrukturen und wiederkehrenden Zyklen. Was beide für mich verbindet, ist jedoch wesentlich wichtiger als ihre Unterschiede: Beide versuchen, große Marktzyklen zu erkennen. Und beide denken dabei eher in Monaten und Jahren als in Stunden und Tagen.
Es geht nicht um Daytrading und schnelles Geld
Das ist für mich ein entscheidender Punkt. Weder Doctor Profit noch Alessio Rastani verfolge ich, um morgens einen Trade zu eröffnen und ihn zwei Stunden später mit ein paar Prozent Gewinn wieder zu schließen. Mich interessiert auch nicht, ob Bitcoin morgen zwei Prozent steigt oder der S&P 500 am kommenden Mittwoch etwas tiefer steht. Natürlich beobachten beide kurzfristige Kursbewegungen. Entscheidend ist aber das große Bild: Wo befinden wir uns innerhalb eines Marktzyklus? Befinden wir uns noch in einer Akkumulationsphase, bereits mitten in einem Bullenmarkt oder möglicherweise nahe einer größeren Topbildung?
Genau deshalb sehe ich auch keinen Widerspruch zu meiner grundsätzlich sehr kritischen Haltung gegenüber dem klassischen Daytrading. In meinem Artikel „Warum du die Finger vom Trading lassen solltest – und warum Investieren der wahre Hebel ist“ habe ich ausführlich beschrieben, warum ich vom ständigen kurzfristigen Kaufen und Verkaufen, hohen Hebeln und der Jagd nach dem schnellen Geld wenig halte. Was ich bei Doctor Profit und Alessio Rastani verfolge, ist etwas anderes: Es geht darum, große Marktzyklen zu erkennen und diese über Monate oder teilweise Jahre zu begleiten.
Wer solche Marktzyklen mitnehmen möchte, braucht etwas, das in Zeiten von Trading-Apps und permanenten Kursmeldungen erstaunlich selten geworden ist: Geduld. Eine gute Position muss nicht unmittelbar nach dem Einstieg ins Plus laufen. Manchmal liegt man Wochen oder sogar Monate „unter Wasser“, obwohl sich die grundlegende Einschätzung später als richtig herausstellt. Genau hier habe ich insbesondere von Doctor Profit sehr viel gelernt. Nicht jede Bewegung des Marktes verlangt nach einer Reaktion. Nicht jede rote Zahl im Depot bedeutet, dass eine Entscheidung falsch war. Entscheidend sind Positionsgröße, Risiko, Zeithorizont und die Frage, ob die ursprüngliche Investment- oder Tradingthese weiterhin Bestand hat.
Alessio Rastani: Marktzyklen und Elliott Waves
Alessio Rastani verfolge ich wahrscheinlich sogar länger als Doctor Profit. Wann ich sein erstes Video gesehen habe, weiß ich heute nicht mehr genau. Seine Analysen sind aber seit vielen Jahren eine meiner regelmäßigen Informationsquellen. Rastani ist seit mehr als 15 Jahren als unabhängiger Chartanalyst, Researcher für technische Analyse und Trader tätig. Auf seiner eigenen Website beschreibt er seine Grundprinzipien ziemlich treffend: in Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten denken, Unsicherheit akzeptieren, den stärksten Trend bestimmen, Risiken identifizieren und möglichst unvoreingenommen bleiben.
Quelle: Alessio Rastani – LeadingTrader
Besonders schätze ich seine Elliott-Wave-Analysen. Vereinfacht ausgedrückt versucht die Elliott-Wave-Theorie, wiederkehrende Strukturen innerhalb von Marktbewegungen zu identifizieren und daraus abzuleiten, in welcher Phase eines größeren Zyklus sich ein Markt befinden könnte. Rastani selbst hat Elliott Waves einmal sinngemäß mit einer Landkarte verglichen: Die Karte kann Fehler enthalten, aber sie kann trotzdem dabei helfen, zu verstehen, wo man sich im größeren Gesamtbild befindet.
Quelle: Alessio Rastani über Elliott Waves und Marktzyklen
Dabei sollte man Elliott Waves keinesfalls mit einer mathematisch exakten Vorhersagemethode verwechseln. Unterschiedliche Analysten können denselben Chart unterschiedlich zählen und ein Wave Count kann sich als falsch herausstellen. Trotzdem habe ich bei Rastani über die Jahre immer wieder erlebt, dass seine Analysen größere Bewegungen und mögliche Wendepunkte erstaunlich gut eingrenzen. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb ich seine Videos bis heute verfolge.
Was mir an Alessio Rastani außerdem gefällt
Ein weiterer Punkt unterscheidet seine Videos für mich von vielen anderen Börsenkanälen. Rastani betrachtet den Markt nicht ausschließlich durch seine eigene Brille. Er greift immer wieder Einschätzungen und Methoden anderer erfahrener Marktbeobachter auf und setzt sich mit ihnen auseinander. Dazu gehören beispielsweise Robert „Bob“ Prechter, der das Elliott-Wave-Prinzip über Jahrzehnte maßgeblich bekannt gemacht hat, aber auch Analysten wie Benjamin Cowen oder Manuel Blay.
Das bedeutet nicht, dass Rastani deren Einschätzungen einfach übernimmt. Gerade die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Szenarien macht seine Videos für mich interessant. Ich bekomme nicht nur die Aussage „Der Markt steigt“ oder „Der Markt fällt“, sondern kann nachvollziehen, warum unterschiedliche Analysten zu ihren jeweiligen Szenarien kommen. Das ist für mich wesentlich wertvoller als ein Analyst, der seinen Zuschauern jede Woche erklärt, weshalb seine Prognose der vergangenen Woche natürlich doch richtig gewesen sei.
Ein gutes Beispiel dafür ist dieses Video, in dem Alessio Rastani eine langfristige Prognose von Robert Prechter aufgreift. Besonders interessant finde ich daran, dass er Prechters Elliott-Wave-Szenario nicht einfach übernimmt, sondern es analysiert und seiner eigenen Einschätzung gegenüberstellt.
Rastani beschäftigte sich beispielsweise bereits im Juni 2022 ausführlich mit der Frage, was passieren müsste, bevor Bitcoin seinen Boden erreicht. Das war Monate vor dem späteren großen Tief. Auch daran erkennt man seine Herangehensweise: Nicht zwanghaft einen exakten Tiefstkurs erraten zu wollen, sondern Bedingungen zu definieren, unter denen eine größere Bodenbildung wahrscheinlicher wird.
Quelle: What Needs to Happen Before Bitcoin Finally Bottoms? – Alessio Rastani
Wer seine Analysen verfolgen möchte, findet einen großen Teil kostenlos auf seinem YouTube-Kanal. Darüber hinaus bietet er über LeadingTrader einen kostenpflichtigen Premium-Bereich an. Das mir aktuell angebotene Paket kostet 297 US-Dollar für sechs Monate, statt regulär 594 Dollar. Auch hier gilt für mich: Dass gute Arbeit Geld kostet, ist kein Problem. Entscheidend ist, welchen Nutzen ich persönlich daraus ziehe.
Doctor Profit: Vom Bitcoin-Boden bei 16.000 Dollar bis zur Topregion
Doctor Profit verfolge ich seit mehreren Jahren und seit ungefähr drei Jahren bin ich Mitglied seines Premium-Channels. Deshalb kann ich seine Arbeit anders beurteilen als jemanden, dessen kostenlose Beiträge ich gelegentlich auf X lese. Ich habe über mehrere Marktphasen hinweg gesehen, wie er Positionen aufbaut, Gewinne mitnimmt, seine Meinung verändert und vor allem, wie er mit Situationen umgeht, in denen der Markt zunächst gegen ihn läuft.
Einer der wichtigsten Gründe, weshalb ich ihm heute so viel Aufmerksamkeit schenke, ist der vergangene Bitcoin-Zyklus. Im Herbst 2022 war die Stimmung im Kryptomarkt nach gewaltigen Verlusten und schließlich dem Zusammenbruch von FTX katastrophal. Genau in dieser Phase identifizierte Doctor Profit den Bereich um 16.000 Dollar als großen Bitcoin-Boden, akkumulierte und positionierte sich langfristig bullish. Seine offizielle Website dokumentiert diesen Call ebenfalls und beschreibt seine anschließende bullishe Positionierung vom Bereich um 16.000 Dollar bis ungefähr 120.000 Dollar.
Quelle: Doctor Profit – About & Track Record
Das Entscheidende ist für mich nicht, ob jemand das Tief oder Hoch auf den Dollar genau trifft. So funktionieren Märkte nicht. Viel interessanter ist die Fähigkeit, eine große Marktphase zu erkennen. Doctor Profit wurde nahe dem Tief bullish, als große Teile des Marktes extrem pessimistisch waren, und blieb anschließend durch einen gewaltigen Aufwärtszyklus hindurch grundsätzlich auf der Long-Seite. Später, im Bereich von ungefähr 115.000 bis 125.000 Dollar, änderte er seine Einschätzung und begann, auf der Short-Seite zu arbeiten. Auch diese Region nennt seine eigene Website heute als von ihm erwartete Zyklus-Topzone.
Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen dem Versuch, jede kleine Kursbewegung zu handeln, und dem Handeln großer Marktzyklen. Wer Bitcoin bei ungefähr 16.000 Dollar kauft und eine langfristige These verfolgt, muss nicht nervös werden, weil der Kurs zwischendurch einige Prozent fällt. Große Bewegungen brauchen Zeit.
Auch Doctor Profit liegt falsch – sein aktueller Index-Short zeigt das
Ich möchte keinesfalls den Eindruck erwecken, Doctor Profit liege immer richtig. Das tut er selbstverständlich nicht. Ein sehr gutes aktuelles Beispiel beobachte ich selbst in seinem Premium-Channel. Doctor Profit ist derzeit bei mehreren großen Aktienindizes bearish beziehungsweise short positioniert, darunter S&P 500, DAX und Nikkei. Beim S&P 500 begann er nach meiner Beobachtung bereits im Bereich von ungefähr 6.400 Punkten, Short-Positionen aufzubauen, und erweiterte seine Positionierung während des weiteren Anstiegs bis in den Bereich um 7.000 Punkte. Dieser Trade liegt derzeit deutlich gegen ihn.
Und gerade deshalb finde ich diesen Trade interessant. Doctor Profit ist weiterhin davon überzeugt, dass die großen Aktienmärkte früher oder später eine deutliche Korrektur beziehungsweise einen Crash erleben werden und dass auch dieser Trade letztlich profitabel geschlossen werden kann. Ob er damit recht behalten wird, weiß heute niemand. Sollte der Markt weiter steigen, kann seine Einschätzung falsch bleiben und der Trade Verluste verursachen. Sollte die von ihm erwartete große Abwärtsbewegung tatsächlich kommen, kann aus einem Trade, der zwischenzeitlich deutlich unter Wasser liegt, noch ein erfolgreicher Trade werden.
Was ich dabei von ihm gelernt habe, ist für mich wichtiger als die eigentliche Prognose: Risk- und Money-Management sowie Geduld. Eine Position darf niemals so groß sein, dass man dem Markt keine Zeit geben kann. Wer beim kleinsten Lauf gegen die eigene Position finanziell oder psychologisch unter Druck gerät, hat häufig nicht unbedingt die falsche Analyse – möglicherweise war schlicht die Position zu groß.
Geduld und Risikomanagement – meine vielleicht wichtigste Lektion
Gerade dieser Punkt hat meine eigene Denkweise über die Jahre verändert. Große Marktzyklen verlaufen fast nie geradlinig. Auch ein grundsätzlich richtiger Trade kann zunächst deutlich gegen einen laufen. Manchmal liegt eine Position Wochen oder Monate unter Wasser. Wer dann jedes Mal nervös verkauft, wird viele große Bewegungen niemals mitnehmen können.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, einen schlechten Trade einfach endlos auszusitzen. Geduld funktioniert nur zusammen mit Risikomanagement. Die Position muss so dimensioniert sein, dass ein zwischenzeitlicher Verlust verkraftbar bleibt. Gleichzeitig muss es Kriterien geben, bei denen man akzeptiert, dass die ursprüngliche These nicht mehr stimmt. Geduld ohne Risikomanagement kann gefährlich sein. Risikomanagement ohne Geduld kann dagegen viele große Chancen verschenken.
Speziell diese Kombination habe ich von Doctor Profit gelernt. Heute interessiert mich deshalb weniger, ob eine Position morgen bereits fünf Prozent im Plus steht. Viel wichtiger ist mir, ob das Chance-Risiko-Verhältnis stimmt, ob meine Positionsgröße vernünftig ist und ob ich dem zugrunde liegenden Szenario genügend Zeit geben kann.
Was Doctor Profits Premium-Channel kostet
Bei Doctor Profit hatte ich das Glück, sehr früh dabei zu sein. Meine Lifetime-Mitgliedschaft habe ich damals für ungefähr 400 US-Dollar gekauft. Heute sieht das völlig anders aus. Auf seiner offiziellen Website kostet der Premium-Zugang aktuell 149 Dollar monatlich, 799 Dollar für sechs Monate oder 7.990 Dollar für eine Lifetime-Mitgliedschaft. Enthalten sind unter anderem seine Positionsupdates, langfristige Marktanalysen, Marktpsychologie sowie Inhalte zu Risk Management.
Quelle: Doctor Profit – Premium & aktuelle Preise
Ob jemand heute bereit ist, 7.990 Dollar für eine Lifetime-Mitgliedschaft zu bezahlen, muss selbstverständlich jeder selbst entscheiden. Für mich persönlich war der damalige Kauf für ungefähr 400 Dollar rückblickend ausgesprochen günstig, weil ich den Channel seit Jahren intensiv nutze. Interessant finde ich außerdem, dass sein Premium-Angebot ausdrücklich nicht mit zehn neuen Signalen am Tag wirbt. Auf der offiziellen Seite wird sogar darauf hingewiesen, dass der Service gerade nicht für Menschen gedacht ist, die permanent neue Trades oder möglichst viele Signale suchen. Das passt ziemlich genau zu dem, weshalb ich ihm folge.
Galactic Three: Circle, Coinbase und Ethereum
Ein aktuelles Beispiel für Doctor Profits langfristiges Denken ist seine Galactic-Three-These rund um Ethereum, Circle und Coinbase. Dahinter steht keine Prognose für die kommenden zwei Wochen, sondern eine wesentlich größere Wette auf die zunehmende Tokenisierung des traditionellen Finanzsystems, Stablecoins und die Verlagerung finanzieller Infrastruktur auf Blockchains.
Diese These fand ich persönlich interessant genug, um mich intensiv damit auseinanderzusetzen. Circle und Coinbase befinden sich inzwischen auch in meinem eigenen Depot. Ich habe die Aktien allerdings nicht gekauft, weil Doctor Profit sie genannt hat und ich seine Trades blind kopiere. Seine Analyse war für mich vielmehr der Anlass, mich selbst intensiv mit Circle, USDC, Coinbase und der möglichen Tokenisierung traditioneller Finanzmärkte auseinanderzusetzen.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied: Ein guter Analyst soll mir das Denken nicht abnehmen. Er soll mir Ideen und Perspektiven liefern, die ich anschließend selbst überprüfen kann.
Wenn Doctor Profit und Alessio Rastani dasselbe sehen, werde ich besonders aufmerksam
Damit komme ich zu dem Punkt, der für meine eigene Vorgehensweise wahrscheinlich am wichtigsten ist. Doctor Profit und Alessio Rastani verwenden unterschiedliche Methoden. Rastani betrachtet Märkte für mich stärker über Chartstrukturen, Elliott Waves, Zyklen und Wahrscheinlichkeiten. Doctor Profit verbindet technische Analyse stärker mit Makroökonomie, Liquidität, Marktpsychologie und konkreter Positionierung. Beide können selbstverständlich unabhängig voneinander falschliegen.
Gerade deshalb finde ich es ausgesprochen interessant, wenn beide auf unterschiedlichen Wegen zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Wenn Doctor Profit beispielsweise aus Liquidität, Makroökonomie und Marktpsychologie einen großen Wendepunkt erwartet und Rastani gleichzeitig aufgrund seiner Elliott-Wave-Struktur und Zyklusanalyse zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt, werde ich sehr aufmerksam. In solchen Situationen bin ich persönlich wesentlich eher bereit, tatsächlich einen Trade einzugehen.
Natürlich macht die Übereinstimmung zweier guter Analysten einen Trade nicht sicher. Aber aus meiner persönlichen Erfahrung erhöht sie mein Vertrauen in das zugrunde liegende Szenario erheblich. Und genau die unterschiedlichen Methoden sind dabei entscheidend. Wenn zehn YouTuber dieselbe Bitcoin-Prognose voneinander abschreiben, habe ich nicht zehn unabhängige Analysen. Wenn dagegen zwei erfahrene Marktbeobachter mit unterschiedlichen Methoden unabhängig voneinander dieselbe größere Marktbewegung erkennen, besitzt das für mich eine völlig andere Qualität.
Niemand kennt die Zukunft – und genau darum geht es
Ein guter Trader muss nicht jeden Trade gewinnen. Entscheidend ist, wie viel er verliert, wenn er falschliegt, und wie viel er verdienen kann, wenn seine große Einschätzung stimmt. Ein Trader kann achtmal richtigliegen und trotzdem Geld verlieren, wenn er beim neunten Trade mit viel zu großem Risiko einen erheblichen Teil seines Kapitals vernichtet. Ein anderer kann mehrere kleinere Verluste akzeptieren und langfristig erfolgreich sein, weil einige große Marktbewegungen diese Verluste deutlich überkompensieren.
Genau deshalb halte ich wenig von Screenshots einzelner spektakulärer Gewinne. Sie sagen fast nichts über die Qualität eines Traders aus. Mich interessiert wesentlich mehr, wie jemand über mehrere Jahre und unterschiedliche Marktphasen hinweg handelt. Wie reagiert er, wenn der Markt gegen ihn läuft? Wie groß sind seine Positionen? Ist er bereit, seine Einschätzung zu verändern? Und kann er geduldig bleiben, wenn seine Analyse möglicherweise richtig ist, sein Timing aber noch nicht?
Alessio Rastani formuliert einen Gedanken dazu besonders passend: Gute Chartanalyse bedeutet für ihn, in Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu denken und gleichzeitig Unsicherheit zu akzeptieren. Doctor Profit wiederum stellt Risk Management und Marktpsychologie ausdrücklich in den Mittelpunkt seines Ansatzes. Genau diese Denkweise ist für mich wesentlich realistischer als jeder selbsternannte Börsenguru, der vorgibt, genau zu wissen, was der Markt nächste Woche tun wird.
Warum ich Doctor Profit und Alessio Rastani weiterhin folge
Je länger ich an den Märkten aktiv bin, desto weniger interessiert mich das schnelle Geld. Große Vermögensbewegungen entstehen häufig nicht innerhalb eines Tages. Ein Bitcoin-Bullenmarkt entwickelt sich über Jahre. Eine große Topbildung kann sich über Monate hinziehen. Und eine Investmentthese wie die Tokenisierung des traditionellen Finanzsystems lässt sich nicht nach drei Wochen beurteilen.
Ich brauche deshalb keinen Börsenexperten mehr, der mir jeden Morgen sagt, welche Aktie ich heute kaufen soll. Und ich brauche erst recht niemanden, der mir mit einem spektakulären Thumbnail verspricht, dass ich mit dem nächsten Coin reich werde. Was mich interessiert, sind Menschen, die mir dabei helfen, das große Bild zu verstehen.
Alessio Rastani macht das für mich vor allem über Chartstrukturen, Elliott Waves, historische Muster und die Auseinandersetzung mit den Analysen anderer erfahrener Marktbeobachter. Doctor Profit verbindet technische Analyse stärker mit Makroökonomie, Liquidität, Marktpsychologie, konkreter Positionierung und einem ausgeprägten Risk- und Money-Management. Beide liegen manchmal falsch. Das gehört zu Finanzmärkten dazu.
Was sie für mich von vielen selbsternannten Börsenexperten unterscheidet, ist etwas anderes: Ich habe über Jahre hinweg erlebt, dass beide größere Marktzyklen immer wieder bemerkenswert gut eingegrenzt haben. Und ich habe insbesondere durch Doctor Profit gelernt, dass eine gute Marktanalyse allein noch lange keinen guten Trader ausmacht. Geduld, Positionsgröße und Risikomanagement sind mindestens genauso wichtig.
Wenn Doctor Profit und Alessio Rastani unabhängig voneinander eine ähnliche große Marktbewegung erwarten, höre ich deshalb besonders genau hin. Nicht weil damit ein erfolgreicher Trade garantiert wäre, sondern weil zwei unterschiedliche Analysemethoden zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen sind.
Nach all den Jahren an den Märkten ist das vielleicht die wichtigste Veränderung meiner eigenen Denkweise: Ich suche nicht mehr nach jemandem, der mir die Zukunft vorhersagt. Ich suche nach guten Analysten, die mir helfen, Wahrscheinlichkeiten besser einzuschätzen – und nach einer Strategie, mit der ich auch dann noch ruhig bleiben kann, wenn der Markt zunächst etwas anderes macht.





