Ratspeak: Peer-to-Peer-Kommunikation ohne zentrale Kontrolle?

Ratspeak: Peer-to-Peer-Kommunikation ohne zentrale Kontrolle?

Über den Base Hub bin ich auf ein Projekt gestoßen, das ich ziemlich interessant finde: Ratspeak. Auf den ersten Blick könnte man es für einen weiteren Messenger halten. Spannend wird es aber, wenn man sich anschaut, wie die Kommunikation dahinter funktionieren soll.

Ratspeak setzt auf Peer-to-Peer-Kommunikation. Statt Nachrichten grundsätzlich über die zentralen Server eines Unternehmens zu schicken, sollen Nutzer direkt beziehungsweise über ein dezentrales Netzwerk miteinander kommunizieren können. Für die Nutzung sind weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse oder ein klassischer zentral verwalteter Account notwendig. Die Identität wird kryptografisch auf dem eigenen Gerät erzeugt.

Was passiert, wenn die zentrale Kontrollstelle fehlt?

Genau das macht Ratspeak für mich interessant. Bei klassischen Plattformen gibt es immer einen Betreiber, an den sich Behörden und Regulierungsstellen wenden können. Server können gesperrt, Betreiber zu bestimmten Maßnahmen verpflichtet oder Apps aus den großen App-Stores entfernt werden.

Bei einem echten Peer-to-Peer-Netzwerk wird das schwieriger. Wenn es keinen zentralen Server gibt, gibt es eben auch keinen zentralen Schalter, den jemand einfach umlegen kann.

Ratspeak geht dabei noch einen Schritt weiter. Das zugrunde liegende Reticulum-Netzwerk kann nicht nur über das normale Internet kommunizieren, sondern beispielsweise auch lokale Netzwerke und Funkverbindungen einbeziehen. Nachrichten können zwischengespeichert und später weitergeleitet werden. Damit wird Kommunikation zumindest technisch weniger abhängig von einer einzigen Infrastruktur.

Peer-to-Peer dürfte nicht jedem gefallen

Gerade in einer Zeit, in der Staaten und auch die EU stärker darüber diskutieren, wie digitale Plattformen, Verschlüsselung und Online-Kommunikation reguliert werden sollen, finde ich diese Entwicklung bemerkenswert.

Denn dezentrale Technologien stellen Kontrollinstanzen vor ein grundsätzliches Problem: Man kann einem zentralen Unternehmen Vorschriften machen – einem Peer-to-Peer-Netzwerk wesentlich schwerer.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Ratspeak außerhalb von Gesetzen steht oder vollkommen unkontrollierbar wäre. Internetzugänge, Funkfrequenzen, App-Stores und Endgeräte bleiben mögliche Ansatzpunkte. Aber die eigentliche Kommunikationsstruktur besitzt deutlich weniger zentrale Angriffspunkte als klassische Plattformen.

Vielleicht ist genau das eine Entwicklung, die wir in den kommenden Jahren häufiger sehen werden: Nicht nur Geld und Vermögenswerte werden dezentraler, sondern auch die Kommunikation selbst.

Und ich kann mir gut vorstellen, dass Peer-to-Peer bei manchen Kontrollinstanzen nicht unbedingt für Begeisterung sorgen wird.

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